Galerie Hebecker Weimar

Schillerstr. 18
99423 Weimar

Aktuelle Ausstellung

Iris Hahs-Hoffstetter

Tradition und Aufbruch – Eine undogmatische Moderne

Vernissage

Zur Vernissage laden wir Sie herzlich ein in die Galerie Hebecker in Weimar, Schillerstraße 18, am Sonnabend, dem 9. Mai, 14.30 Uhr.

Faltblatt zur Ausstellung

Einer still klingenden Kunst, geprägt von der Eigenart ihrer Schöpferin Iris Hahs-Hoffstetter (1908–1986), durchdrungen von ihrem Wesen, ihrem Denken und Fühlen, widmet sich diese Ausstellung. Sie zeigt Werke von großer gestalterischer Kraft, von hoher Sensibilität und farblicher Kultiviertheit, die sich aus einer tiefen Erlebnisfähigkeit und einem christlichen Weltbild speisen. Die Bilder sind Teil eines Œuvres, das in die Entwicklungen der Klassischen Moderne eingebunden ist, deren hallesche Spielart schöngeistige Heiterkeit mit einer poetischen Melancholie verbindet. Mehr als ein halbes Jahrhundert umspannen die Werke dieser Ausstellung, die zwischen den späten 1920er Jahren und Mitte der 1980er Jahre entstanden sind.

Noch sehr jung hatte Iris Hahs-Hoffstetter 1925 ein Studium an der Staatlichen Kunstgewerbeschule Stuttgart aufgenommen, einer der renommierten Reformschulen Deutschlands, deren Bemühen der Integration von Kunst, Handwerk, Alltag und Gemeinschaftsorientierung galt. Hier begegnet sie dem Maler Erwin Hahs, der zu dieser Zeit bereits als Professor an der – ebenfalls aus der Werkkunstbewegung des frühen 20. Jahrhunderts hervorgegangenen – Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein in Halle wirkte. Sie folgt Hahs 1927 an die „Burg“ und aus dem ersten Gewahrwerden ihrer seelischen und künstlerischen Verbundenheit sollte eine außergewöhnliche Lebens- und Geistesgemeinschaft erwachsen. 1932 heiraten sie.

Erwin Hahs gehörte seit den ersten Jahren der Halleschen Kunstgewerbeschule zu den Persönlichkeiten, deren innovative Lehrmethoden und -inhalte diese Institution maßgeblich profilierten. Sie verband im Bauhüttengeist freie Kunst mit der Aufgabe industrieller Produktgestaltung. Diesem Ansatz folgend, waltet in Iris Hahs-Hoffstetters Arbeiten der ausgehenden 1920er und frühen 1930er Jahre einerseits eine Klassizität, in der die Werte gewachsener Traditionen bewahrt werden, und andererseits eine spezifisch moderne Formensprache.

Nur für kurze Zeit ist ihr eine ungehinderte Entfaltung ihres Künstlertums vergönnt. Das Jahr 1933 erweist sich als bittere Zäsur. Bald schon werden Erwin Hahs und seine Frau als „entartet“ diffamiert, mit Berufsverbot belegt und ihrer praktischen Existenzgrundlage beraubt. Die 12 dunklen Jahre sind nur unter großen Schwierigkeiten zu überstehen. Kraft geben die Liebe, der Glaube, die beiden Töchter, der geistige Austausch mit Vertrauten, das Schaffen im Verborgenen.

Am Silvestertag des Jahres 1943 schreibt Erwin Hahs in sein Tagebuch: „Gestern Abend Arbeiten von Iris durchgesehen. Welch eine innere Fülle und Kraft – mit Aufregung und Angst stelle ich mir immer wieder die Frage: Hast du Iris den richtigen Weg in die Kunst geführt? Hast du sie gefördert – nicht gehemmt? Bist du ihr ein guter Berater gewesen? Ich weiß nur, daß ich immer ihre ungebrochene Kraft, ihre Eigenart, ihre Eigenwilligkeit, ja ihre, ich möchte sagen Brutalität der Form, der Farbe, des Lichtes, des Schattens bewundert habe, daß ich selbst Kraft daher empfangen habe und ihre Arbeit höher, als sie es selbst getan hat, geschätzt habe. Es war für mich die reichste Stunde seit langem; während Iris von der Tagesarbeit ermüdet nebenan schlief, bewunderte ich ihr Werk.“

Nach dem Überstehen der beiden letzten Kriegsjahre in Stendal ermöglicht die Wiederberufung Erwin Hahs’ an die Burg Giebichenstein 1946 die Rückkehr nach Halle. Trotz der entbehrungsreichen Nachkriegszeit gehen die Träume von einem Leben für die Kunst nun für beide einige Jahre in Erfüllung.

Doch bereits 1952 wird ihr Mann im Zuge der politisch geführten Formalismusdiskussion in die Emeritierung gedrängt. Abermals verlässt die Familie Halle, findet nun in Zernsdorf bei Berlin im Haus ihrer Tochter Gunda ein von der Öffentlichkeit zwar isoliertes, aber friedvolles Lebens- und Arbeitsrefugium. In der scheinbar kleinen Welt von ländlichem Haus und Garten fand Iris Hahs-Hoffstetter eine Fülle von Motiven, wusste sie immer wieder aufs Neue zu entdecken und mit lebendiger Empfindung zu gestalten. Bilder von Blumen, Kindern, Katzen lassen den großen Atem der Natur spüren, werden zu Sinnzeichen naturverbundener, wesenhafter Existenz.

Zudem schuf sie ein umfangreiches Holzschnittwerk. Neben Tierdarstellungen widmete sie sich christlichen Themen. Das strenge Schwarz-Weiß der Drucke und der spröde Rhythmus der stilisierten Formen vermitteln die biblischen Motive mit elegisch-expressiver Kraft. In den letzten Lebensjahren zeichnet die Künstlerin mit Wachskreide auf kleinen Papieren, moduliert feine Farbgründe, aus deren vibrierendem Gewebe ein immaterielles Licht erstrahlt als auratischer Schein in Etüden voller Schönheit, als Vergegenwärtigung empfundener Wahrheit.

S. Hebecker d. Ä.


Vergangene Ausstellung

Durch Dunkelheit zum Licht

Von der Ohnmacht der Künstler und der Macht ihrer Bilder

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Faltblatt zur Ausstellung

Diese Ausstellung vereint Bilder, die auf Zäsuren verweisen, auf Bedrohungen des Daseins, auf das Hereinbrechen von Gewalt, deren ultimative Steigerung der Krieg ist. Sie zeigt Kunst, die im klaren Bewusstsein für die Verletzlichkeit des Lebens entstanden ist, die das Zerstörerische erinnert, zugleich jedoch kontert, indem sie dem Ende einen Anfang entgegensetzt und dem Vergehen ein Werden. In diesem Zusammenhang richtet sich unser Blick auf den vermeintlichen Widerspruch, dass der Ohnmacht der Künstler hinsichtlich der großen Verwerfungen ihrer Zeit die erhebliche Macht ihrer Werke gegenübersteht. Sich bewusst zu machen, worin diese Macht gründet, kann segensreich und tröstlich sein.

Die Titelabbildung unseres Faltblattes zeigt das 2004 vollendete Gemälde Heinz Planks „Gethsemane“. Es kreist um den Moment im Passionsgeschehen, in dem Christus – abseits seiner Jünger in einem Garten am Fuße des Ölbergs betend – der Schwere des ihm vorbestimmten Weges vollends gewahr wird. Es geht um die Angst vor dem Kommenden und darum, dieses anzunehmen. Es geht um Zweifel und Demut, um Einsamkeit wie um das Geborgensein in einem umfassenden Zusammenhang. Plank vermochte dieses zentrale abendländische Sujet so adäquat wie einzigartig in ein berührendes Bild zu übersetzen.

Natürlich spielen in der Kunstentstehung auch sehr persönliche Anlässe eine Rolle und sind nicht selten maßgeblich für die Identifikation des Künstlers mit einem Bildthema. Solche ließen sich auch hier benennen. Doch wollen wir mit Blick auf die Verschiedenheit der in unserer Ausstellung vertretenen Positionen unser Interesse auf eine grundsätzliche Analogie richten, die in diesem Bild aufscheint und die einen kardinalen Weg künstlerischer Weltaneignung verdeutlicht. Diese Entsprechung ist selbstverständlich metaphorischer und nicht theologischer Natur.

Generell lässt sich aus Planks individueller Annäherung an das Gethsemane-Motiv ein abendländischer kultureller Archetyp ableiten, der uns – letztlich unabhängig von persönlichen Glaubensfragen – zu einem Verständnis künstlerischen Seins führt, welches sich im Annehmen jener Aufgaben verwirklicht, die sich stellen. Ein solches Selbstverständnis fordert vom Künstler einen Wirklichkeitssinn, der darin besteht, seine Augen nicht vor dem zu verschließen, was ihm die Welt offenbart und seiner Berufung gemäß das Gesehene, das geistig Erfasste, das emotional Erfahrene in größtmöglicher Klarheit des Ausdrucks zu bezeugen, indem er es in die Schönheit eines wahrhaftigen Werkes transformiert.

Wenn wir vor diesem Hintergrund zur Frage nach dem Verhältnis zwischen der Ohnmacht der Künstler und der Wirkmacht der Bilder zurückkehren, so ergeben sich Antwortmöglichkeiten. Der anfänglich in dieser Dualität vermutbare Widerspruch weicht der Ahnung eines ursächlichen Zusammenhangs. Denn es sind gerade die Ohnmacht des Künstlers, seine mitunter randständige Position in der Gesellschaft, sein überschaubares Arsenal an handfesten Möglichkeiten, die ihn zu einer Intensität der Wirklichkeitswahrnehmung bringen, der sowohl die Vielen als auch die Mächtigen ausweichen. Für den Künstler, dessen Mittel die der Reflexion und Wiedergabe sind, nicht jene machtvollen Handelns, dessen Aufgabe die differenzierte und dadurch wahrheitsgemäße Welterfassung ist, nicht die Weltveränderung, käme es einer beruflichen Selbstaufgabe gleich, sich in die trügerische Sicherheit von Verdrängung und Ignoranz zurückzuziehen oder sich von politischen Versuchen einer Wirklichkeitsüberwindung vereinnahmen zu lassen. Seiner Aufgabe und sich selbst treu zu bleiben, hat mitunter einen hohen Preis. Doch auch der künstlerische Lohn kann – wie die Kunstgeschichte zeigt – gravierend ausfallen, wenn man mit Instinkt und Mut seinen Weg durch die Dunkelheit findet. Das Licht, das man danach sieht ist, noch kostbarer. Die Welt, die man auf diese Weise erkennt, ist in ihrer Widersprüchlichkeit reicher. Oberflächliche Euphorie und Verzweiflung schwinden und öffnen Liebe und Melancholie zusätzlichen Raum. Der Blick auf das Leben wird vergebungsvoller, empathischer und gewinnt dabei doch an Schärfe. Unter solchen Bedingungen können Bilder entstehen, die in dem Maße, in dem sie realer werden, auch tröstlicher sind. Sie suchen ihre Schönheit nicht an der Oberfläche, sondern finden sie in der Wahrheit eines tiefen Verständnisses für Mensch und Welt.