Aktuelle Ausstellung
Ernst Hassebrauk
Esprit und Präzision
Vernissage
Zur Vernissage laden wir Sie herzlich ein in die Galerie Hebecker in Weimar, Schillerstraße 18, am Sonnabend, dem 22. August, 14.30 Uhr.
Nur selten verbindet sich Gegensätzliches so selbstverständlich wie im Werk des Dresdner Zeichners und Malers Ernst Hassebrauk (1905–1974). Seiner Kunst eignet die Prägnanz der Neuen Sachlichkeit und zugleich ist sie opulent wie der Barock. Sie feiert die Schönheit der sichtbaren Welt, ohne darauf zu verzichten, das Wesenhafte der Erscheinungen in seiner Tiefe auszuloten.
Die charaktervollen Porträts des jungen Künstlers erfuhren bereits in ihrer Entstehungszeit Ende der 1920er, Anfang der 1930er Jahre große Beachtung. Mit funkelndem Esprit zeichnete und malte er elegante Damen, Bohemiens, Kinder und Menschen aus einfachen Verhältnissen. Die gekonnt gesetzten Linien beeindrucken in ihrer Virtuosität, die Farben überwältigen in ihrer Sinnlichkeit und lenken uns auf die Beobachtungsgabe und Einfühlung, von der diese Bildnisse künden. Sie erzählen von Hoffnungen und Enttäuschungen, von Stolz und Melancholie, vom Glück und von den Brüchen einer Epoche.
In Hassebrauks Stillleben erweist sich die Lebendigkeit und Vergänglichkeit des Seins. Sie speisen sich aus Wunderkammern wie aus Rüstkammern, sie zeigen zerbrechliche Porzellane und tödliche Waffen. Gleichermaßen sind diese Materialisierungen von Kultur und tragen Geschichte in sich. Zusammen deuten sie auf die Möglichkeiten menschlichen Tuns – zwischen Schöpfung und Zerstörung.
Tatsächlich begegnet uns in allen Sujets dieses Schaffens das Konkrete in grundsätzlicher Bedeutung: Das Interieur wird zum Erinnerungsraum, das Stillleben zum kulturellen Selbstporträt, das Bildnis zur Meditation über die Fragilität des Menschen. In der Gesamtschau erscheint Hassebrauks Kunst als eine Synthese von Kräften, die auseinanderzustreben scheinen und doch eine zwingende Einheit bilden.
In vielen Bildern spürt man ein Vibrieren, eine gesteigerte Erregung, die wohl Ausdruck einer gespannten Wahrnehmung sind, einer Einfühlungskraft, die Abgründen und Gefährdungen nicht ausgewichen ist und die sich doch auf die lebendige Schönheit, die kostbare Fülle des Lebens konzentrierte. Man mag in dieser Einheit der Widersprüche einen Spiegel jener Zeit sehen, die Hassebrauk durchlebte, ein Gleichnis für ein von katastrophalen Ereignissen zerrissenes Jahrhundert – natürlich getragen vom Temperament des Künstlers, welches die Grundstimmung seines Schaffens vorgibt. Erhellend ist hier eine Beobachtung Franz Rohs (1890–1965), der als sozusagen sächsisches Gesetz allen Lebens das wiederkehrende Beieinander von Dämonie und Gemütlichkeit begriffen hatte. Fritz Löffler (1899–1988) beschrieb dies in seiner Nachfolge als die fruchtbare Möglichkeit, polare Gesetze zu vereinen und daraus gerade in der bildenden Kunst eine Reaktionsfähigkeit und einen Mut abzuleiten, der es ermöglicht, einen Weg mit Konsequenz zu Ende zu gehen.
Sommerausstellung ’26
Unsere zum Ende des Sommers öffnende Sommerausstellung lädt Sie zu anregenden Begegnungen und neuen Entdeckungen ein. Wir möchten Ihnen mit diesem Ausstellungsformat ausgewählte Kunstwerke zugänglich machen, die in unserem thematischen Programm nicht die Sichtbarkeit erhalten, die sie verdienen. So können wir Einzelstücke besser einbinden und einem Dialog der Bilder jenseits systematischer Erwägungen Raum geben. Dabei liegt der Fokus auf der Form, auf der immanenten Qualität der Werke. Biografische wie geschichtliche Aspekte sollen für den Moment zurücktreten, Wertungen des Zeitgeistes ausgeblendet bleiben, um die Vertiefung ins Eigentliche zu erreichen.