Galerie Hebecker Weimar

Schillerstr. 18
99423 Weimar

Aktuelle Ausstellung

Durch Dunkelheit zum Licht

Von der Ohnmacht der Künstler und der Macht ihrer Bilder

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Faltblatt zur Ausstellung

Diese Ausstellung vereint Bilder, die auf Zäsuren verweisen, auf Bedrohungen des Daseins, auf das Hereinbrechen von Gewalt, deren ultimative Steigerung der Krieg ist. Sie zeigt Kunst, die im klaren Bewusstsein für die Verletzlichkeit des Lebens entstanden ist, die das Zerstörerische erinnert, zugleich jedoch kontert, indem sie dem Ende einen Anfang entgegensetzt und dem Vergehen ein Werden. In diesem Zusammenhang richtet sich unser Blick auf den vermeintlichen Widerspruch, dass der Ohnmacht der Künstler hinsichtlich der großen Verwerfungen ihrer Zeit die erhebliche Macht ihrer Werke gegenübersteht. Sich bewusst zu machen, worin diese Macht gründet, kann segensreich und tröstlich sein.

Die Titelabbildung unseres Faltblattes zeigt das 2004 vollendete Gemälde Heinz Planks „Gethsemane“. Es kreist um den Moment im Passionsgeschehen, in dem Christus – abseits seiner Jünger in einem Garten am Fuße des Ölbergs betend – der Schwere des ihm vorbestimmten Weges vollends gewahr wird. Es geht um die Angst vor dem Kommenden und darum, dieses anzunehmen. Es geht um Zweifel und Demut, um Einsamkeit wie um das Geborgensein in einem umfassenden Zusammenhang. Plank vermochte dieses zentrale abendländische Sujet so adäquat wie einzigartig in ein berührendes Bild zu übersetzen.

Natürlich spielen in der Kunstentstehung auch sehr persönliche Anlässe eine Rolle und sind nicht selten maßgeblich für die Identifikation des Künstlers mit einem Bildthema. Solche ließen sich auch hier benennen. Doch wollen wir mit Blick auf die Verschiedenheit der in unserer Ausstellung vertretenen Positionen unser Interesse auf eine grundsätzliche Analogie richten, die in diesem Bild aufscheint und die einen kardinalen Weg künstlerischer Weltaneignung verdeutlicht. Diese Entsprechung ist selbstverständlich metaphorischer und nicht theologischer Natur.

Generell lässt sich aus Planks individueller Annäherung an das Gethsemane-Motiv ein abendländischer kultureller Archetyp ableiten, der uns – letztlich unabhängig von persönlichen Glaubensfragen – zu einem Verständnis künstlerischen Seins führt, welches sich im Annehmen jener Aufgaben verwirklicht, die sich stellen. Ein solches Selbstverständnis fordert vom Künstler einen Wirklichkeitssinn, der darin besteht, seine Augen nicht vor dem zu verschließen, was ihm die Welt offenbart und seiner Berufung gemäß das Gesehene, das geistig Erfasste, das emotional Erfahrene in größtmöglicher Klarheit des Ausdrucks zu bezeugen, indem er es in die Schönheit eines wahrhaftigen Werkes transformiert.

Wenn wir vor diesem Hintergrund zur Frage nach dem Verhältnis zwischen der Ohnmacht der Künstler und der Wirkmacht der Bilder zurückkehren, so ergeben sich Antwortmöglichkeiten. Der anfänglich in dieser Dualität vermutbare Widerspruch weicht der Ahnung eines ursächlichen Zusammenhangs. Denn es sind gerade die Ohnmacht des Künstlers, seine mitunter randständige Position in der Gesellschaft, sein überschaubares Arsenal an handfesten Möglichkeiten, die ihn zu einer Intensität der Wirklichkeitswahrnehmung bringen, der sowohl die Vielen als auch die Mächtigen ausweichen. Für den Künstler, dessen Mittel die der Reflexion und Wiedergabe sind, nicht jene machtvollen Handelns, dessen Aufgabe die differenzierte und dadurch wahrheitsgemäße Welterfassung ist, nicht die Weltveränderung, käme es einer beruflichen Selbstaufgabe gleich, sich in die trügerische Sicherheit von Verdrängung und Ignoranz zurückzuziehen oder sich von politischen Versuchen einer Wirklichkeitsüberwindung vereinnahmen zu lassen. Seiner Aufgabe und sich selbst treu zu bleiben, hat mitunter einen hohen Preis. Doch auch der künstlerische Lohn kann – wie die Kunstgeschichte zeigt – gravierend ausfallen, wenn man mit Instinkt und Mut seinen Weg durch die Dunkelheit findet. Das Licht, das man danach sieht ist, noch kostbarer. Die Welt, die man auf diese Weise erkennt, ist in ihrer Widersprüchlichkeit reicher. Oberflächliche Euphorie und Verzweiflung schwinden und öffnen Liebe und Melancholie zusätzlichen Raum. Der Blick auf das Leben wird vergebungsvoller, empathischer und gewinnt dabei doch an Schärfe. Unter solchen Bedingungen können Bilder entstehen, die in dem Maße, in dem sie realer werden, auch tröstlicher sind. Sie suchen ihre Schönheit nicht an der Oberfläche, sondern finden sie in der Wahrheit eines tiefen Verständnisses für Mensch und Welt.